Multisite-Architektur der Axel-Springer-Verticals

Dieser Artikel ist Teil der Reihe Informationsarchitekturen für Netzwerke von Sites und beschäftigt sich mit den Herausforderungen beim Aufbau der Multisite-Architektur der Verticals von Axel Springer.

Schon seit 2011 betreuen wir die sogenannten Verticals, die zu Axel Springer gehören: Den World’s Luxury Guide, myEntdecker, Wand und Beet, Red Carpet, Berlin1 und das Gesund-Magazin (das ein Teil von Onmeda ist). Einige davon werden in den nächsten Tagen abgeschaltet. Höchste Zeit darüber mal noch ein paar Worte zu verlieren …

Als „Vertical“ bezeichnet man ein Portal, dass sich – anders als ein Portal wie Welt.de – nur mit einem oder wenigen Themen beschäftigt, quasi einen vertikalen Themendurchstich durch die Themenpalette darstellt. Die Plattformen unterscheiden sich deutlich von zuvor vorgestellten Setups „Musikexpress-Geschwister“ und „Heinrich-Böll-Stiftung“: Jedes Portal hat eine eigenständige Code-Basis. In dem Spektrum zwischen Gemeinsamkeit und Eigenständigkeit sind diese Verticals damit ziemlich dicht am Eigenständigkeitspol. Aber von vorne…

Da sich jedes Vertical einem eigenen Thema, einer eigenen Domäne widmet und versucht darin besonders gut zu sein, ist es ziemlich natürlich, dass sowohl Design als auch Funktionsumfang auf diese Domäne zugeschnitten sind. So gibt es bei Wand und Beet ein Hersteller-Lexikon und ein Garten-Lexikon, beim myEntdecker komplexe geografische Metadaten und bei Red Carpet eine Star-Datenbank. Auch die Designs und Themes der Sites unterscheiden sich deutlich, da es natürlich darum geht, das jeweilige Thema so gut es irgend geht umzusetzen.

Gleichzeitig gibt es aber natürlich auch Synergien zwischen den Plattformen. Zum einen arbeitet eine zentrale Redaktion an allen Verticals. Zwar schreibt nicht jeder Redakteur für jede Plattform, aber viele schreiben für mehr als ein Portal. Das hat v.a. zwei direkte Konsequenzen: Zum einen gibt es – wie bei der Heinrich-Böll-Stiftung – ein zentrales Content-Sharing, das nicht nur den Austausch von Inhalten zwischen den Verticals ermöglicht, sondern auch die Übernahme von Inhalten aus anderen Plattformen des Axel Springer Verlages. Und um das zu gewährleisten sind zum anderen zentrale Eigenschaften der beiden Haupt-Content-Typen „Artikel“ und „Bildergalerie“ über alle Verticals hinweg identisch.

Überdies gibt es eine ganze Reihe von Funktionen, die wenig oder gar nichts mit der Domäne des jeweiligen Verticals zu tun haben, aber von allen Redaktionen genutzt werden. Hierzu gehören z.B. SEO-Werkzeuge und Module, die die professionelle Erstellung und Verwaltung von Inhalten erleichtern.

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Fassen wir nochmal kurz zusammen

Im Ausgangs-Artikel zur Serie hatte ich ja davon gesprochen, dass es zwei wichtige Aspekte gibt, nämlich Teilbarkeit und Wiederverwendbarkeit, die jeweils unterschiedliche Ausprägungen haben. Im Folgenden gehe ich diese Aspekte noch einmal durch und zeige einzelne Beispiele im Verticals-Projekt. Dabei bezieht sich Teilbarkeit meistens auf Aspekte der Informationsarchitektur und Wiederverwendbarkeit meistens auf Aspekte der Code-Basis.

Teilbarkeit: Global und alle Formen von Geteilt

In diesem Projekt gibt es in der Tat fast gar keine Teilbarkeit von Komponenten der Informationsarchitektur. Lediglich die Core-Content-Typen „Artikel“ und „Bildergalerie“ sind über die Projekte hinweg weitestgehend identisch, um Content-Sharing zu ermöglichen.

Teilbarkeit: Gar nicht geteilt

Hierunter fallen dann praktisch alle anderen Aspekte der Informationsarchitektur: Es gibt eigenständige Content-Typen, Felder, Taxonomien sowie Konzepte für die Benutzerführung und Aussteuerung der Site durch die Redaktion.

Wiederverwendbarkeit: Global wiederverwendbare Komponente

Wie bei allen Drupal-Projekten gibt es eine ganze Reihe von Modulen aus der Open Source Community, die wir zum „erweiterten Kern“ zusammenfassen, wie Panels, Entity, Metatag, Nodequeue oder die Search-API. Diese wurde um ein Set von Modulen erweitert, die in allen Verticals eingesetzt werden, wie bspw. ein SEO-Modul und ein Token, um Bildergalerien auch im Fließtext zu integrieren.

Wiederverwendbarkeit: Spezialisierte Erweiterung für eine global verwendbare Komponente

Hierunter fallen v.a. Erweiterungen für Panels, die es erlauben, Panels besser auf die Bedürfnisse der Redaktion zuzuschneiden.

Wiederverwendbarkeit: Spezialisierte, aber global wiederverwendbare Komponente

Hierunter fallen z.B. die Lexikon-Content-Typen und die sie umgebenden Funktionen. Jedes Vertical kann mehrere Lexika anlegen, aber nicht in jedem Vertical mach das Sinn. Auch die Geo-Location-Funktionen, sowie die Personendatenbank fallen in diese Gruppe.

Wiederverwendbarkeit: Spezialisierte, aber nur in einem Kontext benutzbare Komponente

Hierunter fallen alle Funktionen die nur für ein einziges Vertical gebaut wurden, wie Module für einzelne Kooperationen. So gibt es beim World’s Luxury Guide ein Reihe von flankierenden Microsites zu Einzelthemen wie Autos, Wein, Uhren, die auf dem Hauptportal angeteasert wurden.

 

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Alles in Allem

Die Verticals von Axel Springer sind ein Beispiel bei dem wir v.a. versucht haben Synergien direkt auf der Code-Basis in Form einzelner, wiederverwendbare Module aufzubauen. Dies entspricht in weiten Teilen dem „normalen Vorgehen“ in modularen Open-Source-Projekten: Saubere Kapselung von Code und Komposition völlig eigenständiger Setups aus diesem Baukastensystem. Die Synergien zwischen den einzelnen Sites eines solchen Netzwerkes sind natürlich geringer als bei den beiden zuvor vorgestellten Projekten, aber dafür ist der Grad der Anpassbarkeit und der tatsächlichen Ausdifferenzierung deutlich höher.

 


Alle Beiträge der Serie 'Informationsarchitekturen für Netzwerke von Sites'

  1. Informationsarchitekturen für Netzwerke von Sites
  2. Multisite-Architektur der Musikexpress-Geschwister
  3. Multisite-Architektur der Heinrich-Böll-Stiftung
  4. Multisite-Architektur der Axel-Springer-Verticals

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